Aktuelles

05.05.2020

Corona trübt guten Jahresstart

Eine Umfrage des Zentralverband Hartwarenhandel e.V. (ZHH) zur Situation im Hartwarenhandel in der Corona-Krise signalisiert, dass der PVH im März ungeachtet drohender Betriebsschließungen, Kontaktbeschränkungen und der allgemeinen Verunsicherung in der Gesellschaft ein Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat erwirtschaften konnte. Hingegen waren im Hartwareneinzelhandel teilweise Betriebsschließungen, ganz oder teilweise, notwendig, die zu deutlichen Umsatzrückgängen führten. Für April rechnet der Hartwarenhandel sowohl im PVH als auch im Einzelhandel mit einer deutlichen Eintrübung der wirtschaftlichen Situation. Zusammengenommen 53% der befragten PVH-Unternehmen bewerten die Umsatzentwicklung im März als viel besser (mehr als 5% Zuwachs) oder besser (bis 5% Zuwachs) als im Vorjahresmonat und 29% als etwa wie im Vorjahresmonat – dies obwohl deutschlandweit seit dem 16.03. Kontaktbeschränkungen und teilweise Betriebsschließungen angeordnet wurden. Dies kann zum einen darauf zurückgeführt werden, dass über 70% der Befragten ihre stationäre Verkaufsfläche offengehalten haben und das Geschäft im B2B-Bereich von einer intensiven Außen- und Innendienstbetreuung lebt. Zum anderen ging die Arbeit auf Baustellen und in handwerklichen Betrieben nahtlos weiter und es wurden teilweise auch von Seiten der gewerblichen Kundschaft Hamsterkäufe beobachtet. Doch die Unsicherheiten nehmen zu. So fällt die Umsatzprognose für den April deutlich negativer aus. Hier prognostizieren 71% der Fachhändler eine schlechtere (bis 5% Rückgang) oder viel schlechtere (mehr als 5% Rückgang) Umsatzentwicklung als im Vorjahresmonat, 24% erwarten eine Entwicklung auf dem Vorjahresniveau für den April. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Werkstatt-, Montage- und Dienstleistungsgeschäft beschrieb gut die Hälfte der Befragten mit gleichbleibend.

Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Handelsunternehmen nutzen die derzeitige Situation, um den eignen Onlineshop auf- oder auszubauen. Auch der Vertrieb über Onlineplattformen (19%) und soziale Netzwerke (33%) sowie digitale Beratungstools (33%) erfreut sich gesteigerter Beliebtheit und wird herangezogen, um kontaktlos Geschäfte abzuwickeln und mit den Kunden im Dialog zu bleiben. Daneben zeigt sich deutlich, dass die klassischen Vertriebs- und Kommunikationskanäle weiterhin eine hohe Bedeutung haben und nach wie vor stark genutzt werden. So haben 67% der PVH-Unternehmen ihr Abhol- und Liefergeschäft ausgebaut und 86% ihre telefonischen Vertriebsaktivitäten ausgeweitet. Die Branche bewegt sich stärker denn je in Richtung Multi-Channel-Marketing.

Von den Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern haben bisher zwei Drittel der PVH-Unternehmen Gebrauch gemacht. An erster Stelle steht hier die vereinfachte Möglichkeit, Kurzarbeit anzuordnen. 81% der Unternehmen haben Kurzarbeitergeld bereits beantragt oder planen dies zu tun. Betroffen hiervon sind primär Mitarbeiter im engen Kundenkontakt, wie Außendienst- und Thekenpersonal. Entsprechend kann der PVH bisher an seinen Mitarbeitern festhalten. An zweiter Stelle steht die Möglichkeit von Steuerstundungen: Hiervon haben bisher 29% der Fachhändler Gebrauch gemacht und 10% haben dies in Planung. Liquiditäts-/Soforthilfen mussten dagegen bisher lediglich 14% der Handelsunternehmen beantragen und weitere 19% planen dies.

Situationsbeurteilung des Hartwareneinzelhandels

Im Hartwareneinzelhandel ist aufgrund seiner differenzierten Ausprägung und den damit verbundenen unterschiedlichen Restriktionen seitens der Politik kein einheitliches Bild darzustellen. So musste rund ein Drittel der Händler seine stationären Verkaufsflächen schließen, andere konnten teilweise oder ganz unter den spezifischen Vorgaben geöffnet bleiben. Entsprechend wirkte sich dies auf die Umsatzentwicklung im März im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Entwicklung ging von deutlichen Zuwächsen bis zu massiven Einbrüchen von über 50%. Im Mittel lagen die Rückgänge im hohen einstelligen Bereich.

Für den April ist die Umsatzprognose negativer. Hier prognostizieren über 60% der Fachhändler eine schlechtere (bis 5% Rückgang) oder viel schlechtere (mehr als 5% Rückgang) Umsatzentwicklung als im Vorjahresmonat, 26% erwarten eine Entwicklung auf dem Vorjahresniveau und wenige eine Verbesserung. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Werkstatt-, Montage- und Dienstleistungsgeschäft beschreiben hier gut zwei Drittel der Befragten mit gleichbleibend oder gut.

Von den Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern haben nahezu alle der Hartwareneinzelhändler Gebrauch gemacht. An erster Stelle steht hier die Soforthilfe (72%), gefolgt von der vereinfachten Möglichkeit Kurzarbeit anzuordnen. 59% der Unternehmen haben Kurzarbeitergeld bereits beantragt oder planen dies zu tun. An dritter Stelle folgt die Möglichkeit von Steuerstundungen (49%) sowie der Beantragung von Zuschüssen durch Bund und Länder.

Um den veränderten Vertriebsmöglichkeiten Rechnung zu tragen, hat der Hartwareneinzelhandel gegen die Umsatzrückgänge die telefonische Beratung intensiviert (90%), das Abhol- und Liefergeschäft ausgebaut (72%) und seine Werbemaßnahmen auf verschiedensten Kanälen verstärkt (67%). Auch der Vertrieb über soziale Netzwerke (44%) und lokale Marketing- und Wirtschaftsverbünde (36%) wird herangezogen, um kontaktlos Geschäfte abzuwickeln und Kunden zu erreichen. Hingegen werden Onlineplattformen (18%) und der Auf- oder Ausbau des Onlineshop (26%) bisher eher noch verhalten genutzt, was auch an fehlenden Produktdaten oder einem hierauf ausgerichteten Warenwirtschaftssystem liegen könnte. Auch der Facheinzelhandel nutzt andere Kontaktmöglichkeiten zu seinen Kunden, ansatzweise auch in Richtung Multi-Channel-Vertrieb.

Ansätze und Zusammenhalt passen

„Gerade jetzt kommt dem Fachhandel, sowohl dem PVH als auch dem Hartwareneinzelhandel die enge und intensive Kundennähe zugute. Jetzt gilt es diese den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und neue Wege auszuprobieren oder stärker zu nutzen. Hier sind erfreuliche Ansätze zu beobachten, die es weiter zu verfolgen gilt“, so Thomas Dammann, Hauptgeschäftsführer des ZHH (im Bild, Foto: ZHH)

In beiden Handelsbereichen wird der Zusammenhalt der Branche in der Krise positiv bewertet: Über 80% der PVH-Unternehmen und Hartwareneinzelhändler zeigen sich mit der Unterstützung durch die Branchenverbände und Verbundgruppen zufrieden.

Die Veröffentlichung der Umfragedaten erfolgte am 23. April 2020.

www.zhh.de

 

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