Aktuelles

02.06.2020

ZHH-Umfrage zur Situation im Hartwarenhandel

Eine aktuelle Umfrage des Zentralverband Hartwarenhandel e.V. (ZHH) zur Situation im Hartwarenhandel in der Corona-Krise signalisiert, dass der Produktionsverbindungshandel (PVH) - wie im Vormonat prognostiziert - im April eine spürbare Verschlechterung der Umsatzsituation hinnehmen musste. Die Beeinträchtigungen der Lieferketten halten sich zwar noch im Rahmen, dennoch sind negative Auswirkungen auf die Warenversorgung zunehmend festzustellen.
Hingegen profitiert der Hartwareneinzelhandel teilweise schon von den Wiedereröffnungen der stationären Flächen und der schrittweisen „Normalisierung“ des öffentlichen Lebens. Für Mai rechnet der Hartwarenhandel sowohl im PVH als auch im Einzelhandel mit einer Umsatzentwicklung auf Vorjahresniveau.

Situationsbeurteilung des PVH

Die Umsatzentwicklung im April wird von 56% der befragten PVH-Unternehmen als schlechter (bis 5% Rückgang), viel schlechter (mehr als 5% Rückgang) oder sehr viel schlechter (mehr als 10% Rückgang) als im Vorjahresmonat bewertet. Diese Entwicklung ist wenig überraschend, hatten doch im Vormonat bereits fast drei Viertel der befragten Unternehmen eine negativere Umsatzentwicklung prognostiziert. Im März konnte der PVH im Durchschnitt noch ein mittleres einstelliges Wachstum erwirtschaften. Immerhin 24% verzeichnen eine gleichbleibende und 22% sogar eine bessere (bis 5% Zuwachs) oder viel bessere (über 5% Zuwachs) Umsatzentwicklung als im Vorjahresmonat (s. Abbildung, Quelle: ZHH).

Diese Unterscheidung dürfte zum einen mit den Kundengruppen zu tun haben, da Bau und Handwerk recht ordentlich laufen, während die Maschinen- und Werkzeugindustrie erhebliche Einbrüche verkraften muss. Zum anderen aber auch darauf zurückgeführt werden, dass mittlerweile wieder 93% der Befragten ihre stationäre Verkaufsfläche ganz oder teilweise geöffnet haben, und das Geschäft im B2B-Bereich von einer intensiven Außen- und Innendienstbetreuung lebt.

Die weitere Entwicklung ist schwierig zu bewerten und Unsicherheiten bleiben bestehen. So fällt die Umsatzprognose für den Mai diffus aus. Hier prognostizieren 24% der Fachhändler eine schlechtere (bis 5% Rückgang) oder viel schlechtere (mehr als 5% Rückgang) Umsatzentwicklung als im Mai 2019, 50% erwarten eine Entwicklung auf Vorjahresniveau und 23% eine bessere (bis zu 5% Zuwachs) oder viel bessere (mehr als 5% Zuwachs) Entwicklung. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Montage- und Dienstleistungsgeschäft beschreiben über die Hälfte der Befragten mit gleichbleibend und über ein Drittel als schlecht, was auf eine temporäre Abflachung der Investitionsbereitschaft auf Kundenseite schließen lässt. Die Zahlungsmoral und Auftragsstornierungen von Seiten der gewerblichen Kundschaft wird aber nach wie vor von einer großen Mehrheit als unauffällig bewertet. Von Problemen mit der Warenversorgung durch die Hauptlieferanten (Abbildung 2) berichten mittlerweile 48% der Unternehmen (im Vormonat 43%). Lieferengpässe sind in fast allen Sortimenten zu beobachten.

Rund die Hälfte der teilnehmenden Handelsunternehmen nutzt die derzeitige Situation um den digitalen Vertrieb auf- oder auszubauen. Die Kunden scheinen dies zu honorieren, wird doch eine steigende Nachfrage der Kundschaft auf diesen Vertriebskanälen festgestellt. Um den sich verändernden Bedürfnissen gerecht zu werden, hat bereits die Hälfte der PVH-Betriebe neue Warensortimente aufgenommen oder diese ausgeweitet, z.B. Arbeitsschutzmaterialien und Virenschutzvorrichtungen für den Ladenbau.

Die vereinfachte Möglichkeit, Kurzarbeit anzuordnen, wird anhaltend rege genutzt. So haben derzeit zwei Drittel der Unternehmen für Teile der Belegschaft Kurzarbeit angeordnet. Betroffen hiervon sind primär Mitarbeiter im engen Kundenkontakt, wie Außendienst- und Thekenpersonal. Dementsprechend mussten sich bisher nur 9,5% der Betriebe von Personal trennen. Drei Viertel der Fachhändler haben zudem die Möglichkeit für Mitarbeiter geschaffen, im Home-Office zu arbeiten. Die Kosten für die Ermöglichung von Home-Office und Telearbeit sowie für Umbau- und Schutzmaßnahmen auf der stationären Verkaufsfläche belaufen sich im Durchschnitt auf einen mittleren vierstelligen Betrag pro Unternehmen.

Situationsbeurteilung des Hartwareneinzelhandels

Im Hartwareneinzelhandel haben derweil wieder alle Verkaufsstellen geöffnet, nachdem ab Mitte März rund ein Drittel der Händler ihre stationären Verkaufsflächen schließen musste. Im Hartwareneinzelhandel ist aufgrund seiner differenzierten Ausprägung und den regional unterschiedlichen Restriktionen seitens der Politik weiterhin kein einheitliches Bild darzustellen.

Für den April meldeten 44% der befragten Unternehmen Umsatzrückgänge verglichen mit dem Vorjahresmonat. Dagegen konnten aber auch 38% der Facheinzelhändler ein (teilweise deutliches) Umsatzwachstum erzielen. Im Vergleich zum März 2020 stiegen die Umsätze bei 46% der Facheinzelhändler, während sie bei 39% zurückgingen. Dies kann unter dem Gesichtspunkt, dass bei der Befragung im April noch über 60% der teilnehmenden Fachhändler mit Umsatzrückgängen gerechnet haben, vorsichtig als erfreuliche Tendenz gewertet werden. Die Auftragslage im Werkstattgeschäft sowie bei Montagen und Dienstleistungen bewerten 33% der Befragten als gut, 45% als gleichbleibend und 22% als schlecht. Für den Mai rechnen 66% der Fachhändler mit einer gleichbleibenden oder besseren Entwicklung als im April.

„Bisher ist es dem Hartwarenhandel gelungen, sich gut an die schwierigen und beispiellosen Rahmenbedingungen der Corona-Krise anzupassen“, erläutert Thomas Dammann, Hauptgeschäftsführer des ZHH, „Kundennähe, lokale Verfügbarkeit und vor allem Kreativität sowie Ideenreichtum lassen den Fachhandel recht hoffnungsvoll die Krise bisher meistern.“

www.zhh.de

 

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung und Analyse der angebotenen Dienstleistungen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ich stimme der Verwendung von Cookies zu: